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Hiddenseeschmuck und Schatzregal in Mecklenburg-Vorpommern
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Der Hiddenseeschmuck und seine Fundumstände sind eines der prominentesten Beispiele für den archäologisch zweifelhaften Nutzen staatlicher und klerikaler Knickerigkeit und Reglementierung. (s. weiter unten unter Schatzregal)

So unermesslich wertvoll dieser Schmuck auch ist (schon wenige Jahre nach der Auffindung wurde sein Wert auf ca. 3,5 Millionen Mark taxiert!): Archäologisch wäre er noch unvorstellbar wertvoller, wenn man wüsste, woher er wirklich kommt, wer ihn getragen hat und wie er auf die Insel Hiddensee gelangt ist. Dies wäre vielleicht aus den tatsächlichen Fundumständen hervorgegangen.

Die zweifelsfrei armen Fischer der Insel haben den Fund als eine Summe zufälliger Einzelfunde reklamiert, an denen ihnen damals noch im Rahmen des Strandrechts Eigentumsrechte zustanden. (Heidemarie Eilbracht schreibt in diesem Zusammenhang in dem Buch "Wikingergold auf Hiddensee" auf Seite 84, dass die "zeitlich gestaffelten Verkäufe der Schmuckstücke an das Museum daher wohl eher die wirtschaftliche Situation der Fischerfamilien als den tatsächlichen Zeitpunkt der Auffindung" widerspiegeln.)

Auf einen ausgegrabenen Hortfund hätten die Finder keinerlei Anspruch gehabt. Schon so, wie die Hiddenseer den Fund deklariert haben (also als Zufallsfunde) gab es reichlich Probleme, denn das Kloster in Stralsund, dem die Insel damals gehörte, bestritt offenbar ein Eigentums- und Veräusserungsrecht der Fischer und wollte den Fund unentgeltlich bekommen.

Nur dem klugen Verhalten des ersten Direktors des Stralsunder Museums, Rudolf Baier, ist es zu verdanken, dass der Fund überhaupt in den Besitz des Museums kam: Er vereinbarte mit den Fischern den Ankauf zum marktüblichen Goldpreis. Allerdings wird im Zusammenhang mit diesem Vertrag auch Baiers Fehler schon offenbar ( - aber was hätte er anderes machen sollen, selbst wenn er die Einsicht gehabt haben sollte): Der marktübliche Preis war zu wenig! Es war für die Hiddenseer vielleicht ein zu geringer Anreiz, den Schmuck zum Materialwert zu verkaufen.

Leider müssen wir nämlich davon ausgehen, dass der Schmuck in der vorliegenden Form nicht vollständig ist. Da fehlen Teile. Möglicherweise war den Hiddenseern klar - Armut heisst ja nicht, dass man dumm ist - dass die Behörden, die Justiz und die Kirche es nicht glauben würden, wenn der vollständige Schmuck in über Monate verteilten Einzelteilen gefunden worden wäre. Vermutlich sind die fehlenden Teile unter der Hand verkauft oder - noch schlimmer! - eingeschmolzen worden. Da ja nur ein Ankauf zum Materialpreis vereinbart worden war, hätten die Finder durch das Einschmelzen nichts verloren. Und es war viel ungefährlicher und sicherer.

Denkmalschutzgesetz - DSchG M.V vom 6. Januar 1998 (Mecklenburg-Vorpommern)

§ 12 Nachforschungen

Nachforschungen, insbesondere Grabungen oder der Einsatz von technischen Suchgeräten, mit dem Ziel, Denkmale, insbesondere Bodendenkmale, zu entdecken, bedürfen der Genehmigung der obersten Denkmalschutzbehörde.

§ 13 Schatzregal

Bewegliche Denkmale, die herrenlos sind oder die so lange verborgen gewesen sind, daß ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, werden mit der Entdeckung Eigentum des Landes, wenn sie bei staatlichen Nachforschungen oder in Grabungsschutzgebieten im Sinne des § 16 entdeckt werden oder wenn sie einen hervorragenden wissenschaftlichen Wert haben.

 

Wenn man archäologische Funde nur zum Materialwert zu Geld machen kann, gibt es für arme Leute nicht viel Anreiz, die Funde im Original zu erhalten. Wir schreiben das, weil es dieses sog. Schatzregal immer noch (bzw. wieder) gibt: Das Land Mecklenburg-Vorpommern wird nach geltender Gesetzeslage mit der Entdeckung automatisch Eigentümer jedes auch noch so tatsächlich zufälligen Fundes, wenn er einen "hervorragenden wissenschaftlichen Wert" hat (§ 13 Denkmalschutzgesetz - DSchG M.V vom 6. Januar 1998). Das Graben und selbst das systematische Suchen vor allem unter "Einsatz von technischen Suchgeräten" ist erst recht verboten und kann mit Ordnungswidrigkeiten-Geldern bis 150.000,- Euro, unter Umständen sogar bis 1.500.000,- Euro (!) geahndet werden.

Bitte informieren Sie sich ausführlich unter Archaeologie.biz über die Schatzregale der einzelnen Bundesländer und die Konsequenzen, die sich aus dieser törichten Gesetzgebung ergeben. Dort werden auch Alternativen diskutiert, die einen wirklichen Schutz der Kulturgüter bewirken können.

Die Festlegungen des Schatzregals werden kontrovers diskutiert, sogar unter Archäologen. Denn was wäre denn die fast zwingende Konsequenz, wenn jemand heute unbemerkt und ohne Zeugen so einen Schatz finden würde? Der Fund hätte fast keine Chance, in die Hände der Wissenschaft zu gelangen! Er würde unter der Hand an Sammler verkauft - der Markt dafür ist gross und es gibt jede Menge Leute, die bereit und in der Lage sind, für so einen Schatz 6- oder gar 7-stellige Summen auszugeben.

Der Verfasser zweifelt nicht daran, dass auch heute noch Funde von Einzelstücken und vielleicht auch Hortfunde in Mecklenburg-Vorpommern gemacht werden. Allerdings werden sie aus den dargelegten Gründen nicht abgegeben. Dadurch gehen dem Land, der Wissenschaft und der Öffentlichkeit unvorstellbare Kunstschätze verloren, die unter der Hand an private Sammler - sicherlich viele davon im Ausland - verkauft werden. Der Wunsch nach Erhaltung der archäologischen Denkmäler führt somit direkt zu ihrer Vernichtung!

Das mag verwerflich sein und findet sicherlich auch nicht die Zustimmung des Verfassers, aber es ist die Realität.


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