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Der Hiddenseeschmuck -
immer noch mit Rätseln behaftet
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Der Goldschmuck von Hiddensee (Hiddenseeschmuck, Goldschatz von Hiddensee) ist ein Teil eines umfassenden Wikinger-Schmucks - von Grösse, Ausstattung und Material her sicherlich nicht der Schmuck eines schwedischen Bauernmädels. Er besteht aus fast 600 g nahezu reinem Gold und war ursprünglich noch viel umfassender.

Der erhaltene Teil des Schatzes besteht aus einem Halsring, zehn kreuzförmigen Anhängern, einer Scheibenfibel und vier Zwischengliedern. Die grösseren der Teile sind fast handtellergross!

Obwohl der Schmuck erst in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gefunden wurde - vor weniger als 140 Jahren - sind die Umstände des Fundes geradezu mysteriös: Angeblich wurde der Schmuck (bzw. die bis heute bekannten Teile) nach einer Sturmflut am Strand von Neuendorf auf Hiddensee gefunden.

Nun könnte das ja vielleicht noch angehen, wenn der Schmuck in einem Stück, also vielleicht in einem Kasten oder einer Urne gefunden worden wäre.

Das grosse Kreuz vom Goldschatz von Hiddensee (Hiddenseeschmuck)

Angeblich war den Hiddenseern das Glück aber wochenlang immer wieder treu: Über einen Zeitraum von 19 Monaten hinweg hat man - so wurde behauptet - immer wieder mal ein Stück gefunden - hier mal ein Kreuz im Sand, dort mal eines in einem Stück Eis eingefroren, mal habe es eine Kuh losgetreten und dann fand ihn ein Knabe, völlig freiliegend auf der Düne. Na, wenn das nicht glückliche Zufälle sind!

Die Fibel  des Goldschatzes von Hiddensee misst 8 cm im Durchmesser

Ausserdem war der Halsring des Schmucks bei der Auffindung doppelt gebogen (sozusagen aufgerollt), woraus schon Rudolf Baier, der erste Direktor des Kulturhistorischen Museums in Stralsund 1880 den naheliegenden Schluss zog, dass der Schmuck vermutlich in einem Keramik-Gefäss mit einer etwa 8 cm grossen Öffnung vergraben worden ist. Aber sowohl Baier als auch sein Nachfolger Gummel glaubte wohl an die Einzelfunde und daran, dass die Schmuckteile tatsächlich lose im Sand gelegen haben.

Erst in jüngerer Zeit deuten Claudia Hoffmann und Andreas Grüger vom Kulturhistorischen Museum in Stralsund am Rande und sehr vorsichtig an, dass die bisherige Fundtheorie nicht unbedingt stimmen muss: "Wenn man sich an Baiers Thesen orientiert, dann scheint festzustehen, dass der Goldschmuck auf der Insel Hiddensee ans Tageslicht kam. Dort war er wahrscheinlich ursprünglich vergraben oder in einem Binnensee versenkt worden." (Wikingergold auf Hiddensee, Hinstorff-Verlag 2010, S. 58).

Auf Seite 63 werden die Autoren dann dankenswerterweise etwas deutlicher: "Fraglich bleibt bis heute, ob der gesamte Schatz wirklich stückweise geborgen oder vielleicht doch auf einmal gefunden, dann aber Stück für Stück verkauft worden ist." (Es ist schade, dass die Autoren nicht den Schluss ziehen, nach dem Keramik-Gefäss zu suchen und auch eine mögliche Verbindung zur Seeschlacht von Svolder wird nicht einmal angedeutet)

Denn realistischer scheint die Annahme, dass die Sturmflut genutzt wurde, um den wertvollen Fund - wer weiss, wie lange er schon von den findigen Inselbewohnern versteckt worden war - zu legalisieren. Für diese Annahme spricht auch, dass es gerade zu jener Zeit eine Veränderung des Strandrechts geben sollte, die eine Verwertung durch den Finder weiter erschwert hätte. Die Sturmflut bot sich also vielleicht als letzte Gelegenheit an, den Schatz als Strandgut zu deklarieren, an dem der Finder dann einen gewissen Anteil hatte. Diese Mechanismen wirken heute genauso, wie wir auf der Seite Hiddenseeschmuck und Schatzregal nachzuweisen versuchen.

Wir wissen also bis heute überhaupt nicht, wo der Schatz tatsächlich gefunden bzw. ausgegraben worden ist. Auf Hiddensee sicherlich und wohl auch bei oder südlich des letzten Dorfes. Ob aber tatsächlich beim Dorfe Neuendorf oder vielleicht viel weiter an der Südspitze, dem sog. Gellen - da können wir nur den Erzählungen der Finder glauben. Oder es sein lassen.

Es ist also leider völlig unklar, wie der Schmuck nach Hiddensee hingekommen ist und wieso er denn so einfach 'mal dort im Sand lag - nach ca. 900 Jahren. Denn dieser wunderbare und ausserordentlich wertvolle Schmuck stammt aus der Zeit der Wikinger (nach jüngeren Forschungen gilt es als sicher, dass der Schmuck um 970 gefertigt wurde), die damals sowohl friedliche Handelsbeziehungen, als auch kriegersche Auseinandersetzungen in die Nähe der Insel Rügen geführt haben.

Der dänisch-norwegische König Harald Blauzahn - eine seiner Frauen war wohl die Obotritenprinzessin Tove von Mecklenburg, also eine Slawin - wird gerne mit dem Schmuck in Verbindung gebracht. Er starb wahrscheinlich am 1.11.987 an einer Verletzung in oder bei Wollin (Wolin) - die Datierung würde also zum Herstellungszeitraum passen.

Der Historiker Lutz Mohr hält den Goldschatz von Hiddensee für einen Teil des Kronschatzes von König Harald Blauzahn (das wäre auch mit unserer Sichtweise vereinbar, s.hier).
Nicht zustimmen mögen wir Mohrs Annahme, dass der Schatz von den Gefolgsleuten Harald Blauzahns auf Hiddensee vergraben wurde, als sie den todgeweihten König nach der Niederlage vor Bornholm zur Jomsburg (wohl irgendwo im Bereich der Oder- oder Peenemündung gelegen) brachten.

Denn auch König Olaf I. Tryggvason, der erste christliche König Norwegens käme als Eigentümer in Frage. Er starb vermutlich am 9.9.1000 in der Seeschlacht von Svoldr > mehr dazu hier (ausführlich zur Seeschlacht von Svolder gehen Sie bitte auf svolder.de)

Keramikgefässe aus der Wikinger-Siedlung Haithabu bei Schleswig

Da die genauen Fundumstände (die wirklichen, nicht die behaupteten) nicht mehr rekonstruiert werden können, wird die Herkunft des Schmuckes wohl im Dunkeln bleiben - es sei denn, dass das Gefäss (vermutlich lagerte der Schmuck in einem keramischen Gefäss, einer Art Urne oder Krug, wie auf der nebenstehenden Abbildung von Keramik aus der Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig) doch noch wieder auftaucht. Es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass dieses Gefäss (nach dem wohl nie gesucht wurde), noch verstaubt und unbeachtet in einem Hiddenseer Stall oder auf einem Dachboden liegt . . .

Im Kulturhistorischen Museum von Stralsund wird eine sehr schöne, originalgetreue Replik gezeigt; das Original wird aus Sicherheitsgründen nur bei besonderen Anlässen aus dem Safe geholt. Der Schmuck ist völlig einzigartig - heutige Goldschmiede beherrschen die damalige Goldschmiedekunst nicht mehr, d.h. in der damals angewandten Technik wäre ein solcher Schmuck heute nicht mehr herzustellen! Man kann diese Technik heute nur noch imitieren.

Verkleinerte Nachbildungen kann man in Stralsunder Schmuckgeschäften kaufen; sie sind recht hübsch, aber in keiner Weise zu vergleichen mit den wirklich grossen, sehr eindrucksvollen Originalstücken.

Der Goldschmuck von Hiddensee ist übrigens nicht der einzige Goldschatz, der in der Gegend gefunden wurde:

Die Langendorfer Goldschalen im Kulturhistorischen Museum in Stralsund

Am Peenemünder Haken auf Usedom wurde vor gut 100 Jahren der Peenemünder Goldschatz (Peenemünder Armreifen) gefunden; er stammt aus etwa der gleichen Zeit. Und die Langendorfer Goldschalen fanden Arbeiter (nach anderen Quellen waren es Kinder) vor 100 Jahren ganz in der Nähe von Stralsund. Auch die Langendorfer Goldschalen sind im Besitz des Kulturhistorischen Museums in Stralsund, wo auch die Aufnahme gemacht wurde.

Wenn Sie selbst die Chance haben wollen, wertvollen Schmuck am Strand zu finden, dann sollten Sie weniger nach Goldschmuck, als vielmehr nach Bernstein Ausschau halten. Was Sie beim Sammeln beachten sollten, haben wir Ihnen auf der Seite info-bernstein.de zusammengestellt.

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