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Angeblich
war den Hiddenseern das Glück aber wochenlang immer wieder
treu: Über einen Zeitraum von 19 Monaten hinweg hat man -
so wurde behauptet - immer wieder mal ein Stück gefunden
- hier mal ein Kreuz im Sand, dort mal eines in einem Stück
Eis eingefroren, mal habe es eine Kuh losgetreten und dann fand
ihn ein Knabe, völlig freiliegend auf der Düne. Na, wenn das nicht
glückliche Zufälle sind!
Ausserdem
war der Halsring des Schmucks bei der Auffindung doppelt gebogen
(sozusagen aufgerollt), woraus schon Rudolf Baier, der erste Direktor
des Kulturhistorischen Museums in Stralsund 1880 den naheliegenden
Schluss zog, dass der Schmuck vermutlich in einem Keramik-Gefäss
mit einer etwa 8 cm grossen Öffnung vergraben worden ist.
Aber sowohl Baier als auch sein Nachfolger Gummel glaubte wohl
an die Einzelfunde und daran, dass die Schmuckteile tatsächlich
lose im Sand gelegen haben.
Erst in jüngster
Zeit deuten Claudia Hoffmann und Andreas Grüger
vom Kulturhistorischen Museum in Stralsund am Rande und sehr vorsichtig
an, dass die bisherige Fundtheorie nicht unbedingt stimmen muss:
"Wenn man sich an Baiers Thesen orientiert, dann scheint
festzustehen, dass der Goldschmuck auf der Insel Hiddensee ans
Tageslicht kam. Dort war er wahrscheinlich ursprünglich vergraben
oder in einem Binnensee versenkt worden." (Wikingergold auf
Hiddensee, Hinstorff-Verlag 2010, S. 58).
Auf Seite
63 werden die Autoren dann dankenswerterweise etwas deutlicher:
"Fraglich bleibt bis heute, ob der gesamte Schatz wirklich
stückweise geborgen oder vielleicht doch auf einmal gefunden,
dann aber Stück für Stück verkauft worden ist."
(Es ist schade, dass die Autoren nicht den Schluss ziehen, nach
dem Keramik-Gefäss zu suchen und auch eine mögliche
Verbindung zur Seeschlacht
von Svolder wird nicht einmal angedeutet)
Denn realistischer
scheint die Annahme, dass die Sturmflut genutzt wurde, um den
wertvollen Fund - wer weiss, wie lange er schon von den findigen
Inselbewohnern versteckt worden war - zu legalisieren.
Für diese Annahme spricht auch, dass es gerade zu jener Zeit
eine Veränderung des Strandrechts geben sollte, die
eine Verwertung durch den Finder weiter erschwert hätte.
Die Sturmflut bot sich also vielleicht als letzte Gelegenheit
an, den Schatz als Strandgut zu deklarieren, an dem der Finder
dann einen gewissen Anteil hatte. Diese Mechanismen wirken heute
genauso, wie wir auf der Seite Hiddenseeschmuck
und Schatzregal nachzuweisen versuchen.
Wir wissen
also bis heute überhaupt nicht, wo der Schatz tatsächlich
gefunden bzw. ausgegraben worden ist. Auf Hiddensee sicherlich
und wohl auch bei oder südlich des letzten Dorfes. Ob aber
tatsächlich beim Dorfe Neuendorf oder vielleicht viel weiter
an der Südspitze, dem sog. Gellen - da können wir nur
den Erzählungen der Finder glauben. Oder es sein lassen.
Es ist also
leider völlig unklar, wie der Schmuck nach Hiddensee hingekommen
ist und wieso er denn so einfach 'mal dort im Sand lag - nach
ca. 900 Jahren. Denn dieser wunderbare und ausserordentlich wertvolle
Schmuck stammt aus der Zeit der Wikinger (nach jüngeren
Forschungen gilt es als sicher, dass der Schmuck um 970 gefertigt
wurde), die damals sowohl friedliche Handelsbeziehungen, als auch
kriegersche Auseinandersetzungen in die Nähe der Insel Rügen
geführt haben.
Der dänisch-norwegische
König Harald Blauzahn - eine seiner Frauen war wohl
die Obotritenprinzessin Tove von Mecklenburg, also eine Slawin
- wird gerne mit dem Schmuck in Verbindung gebracht. Er starb
wahrscheinlich am 1.11.987 an einer Verletzung in oder bei Wollin
(Wolin) - die Datierung würde also zum Herstellungszeitraum
passen.
Der Historiker
Lutz Mohr hält den Goldschatz von Hiddensee für einen
Teil des Kronschatzes von König Harald Blauzahn (das wäre
auch mit unserer Sichtweise vereinbar, s.hier).
Nicht zustimmen mögen wir Mohrs Annahme, dass der Schatz
von den Gefolgsleuten Harald Blauzahns auf Hiddensee vergraben
wurde, als sie den todgeweihten König nach der Niederlage
vor Bornholm zur Jomsburg (wohl irgendwo im Bereich der Oder-
oder Peenemündung gelegen) brachten.
Denn auch
König
Olaf I. Tryggvason, der erste christliche König Norwegens
käme als Eigentümer in Frage. Er starb vermutlich am
9.9.1000 in der Seeschlacht von Svoldr >
mehr dazu hier (ausführlich
zur Seeschlacht von Svolder gehen Sie bitte auf svolder.de)
Da die genauen
Fundumstände (die wirklichen, nicht die behaupteten) nicht
mehr rekonstruiert werden können, wird die Herkunft des Schmuckes
wohl im Dunkeln bleiben - es sei denn, dass das Gefäss (vermutlich
lagerte der Schmuck in einem keramischen Gefäss, einer Art
Urne oder Krug, wie auf der nebenstehenden Abbildung von Keramik
aus der Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig) doch noch wieder
auftaucht. Es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass dieses Gefäss
(nach dem wohl nie gesucht wurde), noch verstaubt und unbeachtet
in einem Hiddenseer Stall oder auf einem Dachboden liegt . . .
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